Erstmals konnte in Österreich von 2005 bis 2008 ein umfassendes Präventions- und Gesundheitsförderungsprojekt für rund 600 hauptberuflich Angestellte der Einsatzorganisationen Polizei (steiermarkweit), Rotes Kreuz (steiermarkweit) und Berufsfeuerwehr Graz durchgeführt werden.
Das 4-jährige Modellprojekt mit dem Titel "Fit im Einsatz" wurde von Styria vitalis umgesetzt und vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), dem Land Steiermark (Ressort Wissenschaft & Ressort Gesundheit, Spitäler und Personal) und der Steiermärkischen Sparkasse finanziell gefördert.
Ausgangsituation
Nachtdienste, Einsatzstress sowie psychische und körperliche Belastungen stellen ein außergewöhnliches Beanspruchungsprofil für Einsatzkräfte dar. Hinzu kommt oft noch ein ungesunder Lebensstil wie z.B. zu fettreiche und vitaminarme Ernährung sowie zu wenig Bewegung und Entspannung.
Ziele
Verbesserung des Gesundheitsverhalten, der Gesundheitshandlungskompetenz sowie der psycho-physischen Fitness bei hauptberuflich Angestellten von Einsatzorganisationen.
Intervention
Die Interventionsmaßnahmen setzten sich aus verschiedenen Modulen aus dem Bewegungs-, Ernährungs- und psychosozialen Bereich zusammen: z.B: Nordic Walking-Kurse, Mountainbiking, Schneeschuhwandern oder Kochkurse und Gewichtsreduktionsprogramme als auch Entspannungs- und Kommunikations-seminare. Strukturelle Interventionen wurden ebenfalls getätigt: z.B. wurde in jeder Dienststelle ein/e eigene/r GesundheitskoordinatorIn bestellt und geschult, welche/r die Gesundheitsbelange innerhalb der Dienststelle kommunizierte und koordinierte.
Eine eigene Webseite stellte das primäre Kommunikationsnetzwerk für die Umsetzung der Maßnahmen dar. Über die Webseite konnte man sich z.B. zu Modulen anmelden.
TeilnehmerInnen
Im Jahr 2005 starteten in 16 steirischen Bezirken insgesamt 582 hauptberuflich Angestellte aus 26 Dienststellen (14 Polizei-Dienstellen, 11 Rot Kreuz-Dienststellen und der Dienststelle der Berufsfeuerwehr Graz) in dieses Projekt.
14 Dienststellen der Polizei: Landespolizeikommando Stmk, Bundespolizeidirektion Graz, Deutschlandsberg, Leibnitz, Feldbach, Hartberg, Voitsberg, Weiz, Bruck/Mur+ Mürzzuschlag, Leoben, Judenburg, Knittelfeld, Murau, Liezen.
11 Dienstellen des Roten Kreuzes: Graz + Graz Umgebung, Deutschlandsberg, Leibnitz, Feldbach, Fürstenfeld, Hartberg, Voitsberg, Bruck/Mur, Leoben, Judenburg, Knittelfeld.
1 Dienststelle der Feuerwehr: Berufsfeuerwehr Graz
Projektablauf nach dem Cross-over-Studiendesign:
Wechsel zwischen Interventions- und Kontrollgruppe (= ohne Intervention)
Von Jänner bis März 2005 wurden alle Personen zu Projektbeginn vor Ort in einer standardisierten Untersuchungsstraße gecheckt: Ernährungs- und Bewegungsverhalten wurden erfragt, ebenso das psychosoziale Wohlbefinden. Weiters wurden Körperfettwerte, Fitnessdaten, Blutwerte und Lungenfunktionswerte erhoben als auch Muskelfunktionstests und Wirbelsäulenscreenings durchgeführt.
Von April 2005 bis März 2006 startete über ein Jahr die erste Interventionsphase für die Hälfte der Dienststellen. Die andere Hälfte der Dienststellen diente als Kontrollgruppe. Bei welcher Dienststelle „interveniert“ wurde und welche als Kontrollgruppe diente, wurde per Losentscheid bestimmt („Randomisierung“).
Von April bis Juni 2006 wurden wieder alle TeilnehmerInnen in der Untersuchungsstraße befragt und untersucht. Dannach folgte eine ca. 6-monatige Pause um jahreszeitlich ident mit der 2. Projekthälfte fortzufahren und um die ersten Zwischenergebnisse zu ermitteln.
Ab Jänner 2007 wurden alle TeilnehmerInnen zum 3. Mal in der Untersuchungsstraße untersucht.
Von April 2007 bis März 2008 folgte dann die zweite Interventionsphase, in der ein Wechsel zwischen Interventions- und Kontrollgruppe statt fand.
Von April bis Juni 2008 folgten die letzten Folgeuntersuchungen an den TeilnehmerInnen.
Die Dienststellen wurden während der Interventionsphase in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Psychosoziales als auch hinsichtlich struktureller Optimierungen kontinuierlich betreut.
Die besondere Spezifität dieses Projektes lag in der „vor-Ort- Intervention“; d.h., dass die TeilnehmerInnen nicht weite Wegstrecken zurücklegen mussten, um eine Untersuchung, ein Training, einen Vortrag oder einen Kurs zu besuchen, sondern alle Angebote in - oder in der Nähe ihrer Dienstelle - konsumieren konnten.
Ergebnisse
Verbesserungen im Ernährungsbereich:
Beispielsweise wurde der Wasserkonsum durch Bereitstellung von Mineralwasser um bis zu 23% erhöht, der Konsum von Süßigkeiten um bis zu 22% reduziert.
Durch Schulungen des Küchenpersonals kam es zu Speiseplanumstellungen in den Kantinen der großen Dienststellen bei Polizei und Berufsfeuerwehr Graz mit mehr Obst und Gemüse und auch fleischlosen Angeboten als Alternative.
Verbesserungen im Bewegungsbereich:
Es wurde ein Anstieg beim Betreiben von Ausdauersport um 10% erreicht. Die außerberufliche Bewegungsaktivität erhöhte sich um 17 %. In einzelnen Dienststellen (Z.B. Rotes Kreuz Hartberg und Voitsberg; Polizei Voitsberg) kam es zur Verbesserung der Fitness, Reduktion an Körperfett und Verbesserung der Blutfettwerte.
Strukturelle Maßnahmen:
Die Bestellung und Schulung von GesundheitskoordinatorInnen für jede Dienststelle sowie die Einrichtung einer eigenen Webseite als Kommunikationsmedium bestätigte die Wichtigkeit einer sowohl persönlichen als auch einfachen Kommunikationsform innerhalb einer Dienststelle sowie über Dienststellen hinweg.
Schlussfolgerung und Ausblick
Dieses 4-jährige Modellprojekt hat gezeigt, dass Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen auch in Einsatzorganisationen umsetzbar sind. An Strukturen, um auch in den Dienststellen Gesundheit besser leben zu können, fehlt den Einsatzorganisationen letztendlich gar nicht so viel. Know-how sollten auch ExpertInnen von außen einbringen und bei nachhaltigen Gesundheitsförderungsinitiativen in den Einsatzorganisationen unterstützend und begleitend wirken.
Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sollen in eine nachhaltige Gesundheitsförderungsphilosophie bei den steirischen Einsatzorganisationen einfließen und als Vorlage für nachfolgende Projekte dieser Art in ganz Österreich dienen.