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Ausgangssituation in Österreich
Rund 90 Prozent der DiabetikerInnen in Österreich leiden an Typ-2-Diabetes. Die Krankheit wird häufig erst spät diagnostiziert, was zu ernsthaften Komplikationen und Spätfolgen führen kann. Je früher die Krankheit erkannt wird und je eher der Lebensstil zum Schutzfaktor wird, umso besser lassen sich Erkrankungen und Komplikationen vermeiden.
16 EU-Länder wurden aktiv
Die Europäische Union und das National Public Health Institute Helsinki unter der Leitung von Prof.Jaakko Toumilehto haben daher ein groß angelegtes Projekt zur Diabetesprävention durch Lebensstiländerung ins Leben gerufen an dem Styria vitalis mit 13 Deutschlandsberger Gesunden Gemeinden unter 25 Partnern aus 16 EU-Ländern teilnahm. Anders als bei den anderen Projektpartnern führte der steirische Weg nicht über Krankenhäuser oder Gesundheitszentren zu den Risikopersonen, sondern über die Gemeinden zusammen mit den niedergelassenen Ärzten.
Projektdauer & Projektziel
Das Projekt Diabetes in Europe – kurz DE-Plan – dauerte von 2006 bis März 2008. Ziel war es, Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu erkennen und zu erreichen sowie gemeindenah zu begleiten und zu unterstützen und somit das Risiko einer tatsächlichen Erkrankung zu minimieren.
Find Risk-Fragebogen
Ein kurzer, einfacher Fragebogen zur Ermittlung einer Risikosumme wurde von den Gemeinden an alle 11.300 45- bis 74-Jährigen verschickt. Anhand von acht Fragen zu Lebensstil und Gesundheits-zustand konnte das persönliche Risiko, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes zu erkranken, ermittelt werden. Personen mit einem hohen Erkrankungsrisiko (ab 15 Punkten) wurde nahe gelegt, bei einem niedergelassenen Arzt einen oralen Glucosetoleranztest zur Verifizierung des Ergebnisses durchführen zu lassen.
Rund 10% der verschickten Fragebögen wurden wieder an Styria vitalis zurückgesendet. Das ist im Vergleich zu anderen europäischen Partnern, die nur einen Rücklauf von 2-3% erzielten, eine erfreulich hohe Rücklaufquote, die auf die tragfähigen Strukturen des Gesunde Gemeinde-Netzwerkes zurückgeführt werden kann.
Gute Zusammenarbeit mit den regionalen ÄrztInnen
21 niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen und Internisten aus den Gemeinden erklärten sich bereit, die im Rahmen von DE-Plan notwendigen Untersuchungen durchzuführen. Der Deutschlandsberger Distriktsarzt Dr. Wipfler unterstützte das Projekt während der gesamten Projektdauer und stand bei medizinischen Fragestellungen immer gerne beratend zur Seite.
Untersuchungsergebnisse
Bei 10% der retournierten Fragebögen erreichten die Personen einen Risikoscore von 15 oder mehr Punkten. 98 Personen konsultierten daraufhin einen niedergelassenen Arzt.
Die Messungen zu Projektbeginn zeigten, dass bereits 30% der untersuchten Personen eine gestörte Nüchternglucose bzw. gestörte Glucosetoleranz aufwiesen. Bei weiteren 13% wurde Typ 2-Diabetes neu diagnostiziert. Diese Personen wurden anschließend an das Disease Management Programm Therapie Aktiv der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse weiter vermittelt.
Bei den verbleibenden 62 ProjektteilnehmerInnen ergaben die erneuten Messungen nach der einjährigen Intervention eine signifikante Senkung des durchschnittlichen Nüchternglukose -Wertes innerhalb des Normbereiches. Der durchschnittliche Glukose 2-h Wert liegt ebenfalls im Normbereich hat sich aber vom ersten auf den zweiten Messzeitpunkt nicht signifikant verändert.
Während des Projektzeitraums wurde bei den Probanden zur Dokumentation der Entwicklung vier Mal das Körpergewicht, der Taillenumfang und der Blutdruck gemessen. Die Messungen ergaben in allen drei Bereichen von der ersten auf die vierte Messung eine signifikante Verbesserung: Eine Signifikante Senkung des Körpergewichts, eine signifikante Verringerung des Taillenumfanges und eine signifikante Senkung von systolischem und diastolischem Blutdruck.
Die Senkung des Blutdrucks um im Schnitt 6% ist im Vergleich zur deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie, bei der eine Blutdrucksenkung von im Schnitt 2% erzielt werden konnte, ein erfreuliches Ergebnis.
Präventionscoaches als Erfolgsfaktor in der Diabetesprävention
Personen mit einem hohen Erkrankungsrisiko hatten die Möglichkeit, 3 x 3 Intensiveinheiten zu Bewegung, Ernährung und Motivation zu besuchen sowie an betreuten Gruppentreffen teil zu nehmen. Dazu wurden von Styria vitalis eigens zehn Personen aus der Region zu Präventionscoaches ausgebildet, die die GruppenteilnehmerInnen auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil begleiteten.
Bei den wöchentlichen Einheiten wurden beispielsweise gemeinsam Wanderungen unternommen, Fitnessstudios besucht oder gesund gekocht und gespeist. Die praktischen Anwendungs-möglichkeiten des Gelernten im Alltag wurden immer wieder von den Präventionscoaches betont, um den gesünderen Lebensstil auch nach Projektende aufrechterhalten zu können.
62 Personen nahmen and den Gruppentreffen teil, die mittlerweile in den Gemeinden sehr gut etabliert sind. Etwa ein Drittel der TeilnehmerInnen gab an, dass der Wunsch abzunehmen zumindest ein Teilgrund für die Teilnahme am Projekt war. Ein weiteres Drittel nannte als Hauptmotivationsfaktor für die Teilnahme an dem Programm Diabetes Erkrankungen in der Familie. Dabei spielte das erhöhte Risiko durch die familiäre Vorbelastung eine Rolle, entscheidend war aber auch die abschreckende Wirkung durch das Miterleben des Verlaufs der Krankheit und der daher rührende Wunsch präventiv zu handeln.
Positive Verhaltensveränderungen
Die Vorher-Nachher-Messungen bei den TeilnehmerInnen der Gruppentreffen haben ergeben, dass die einjährige Teilnahme an den Treffen zu signifikanten Veränderungen des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens geführt haben: Die teilnehmenden Personen konsumieren auf der einen Seite signifikant mehr Gemüse, auf der anderen Seite ist der Konsum von Fast Food sowie der Fettanteil in der Nahrung signifikant zurück gegangen. Der Konsum von Obst konnte zwar nicht signifikant gesteigert werden, es zeigt sich aber eine positive Tendenz. Das Ausmaß an körperlicher Bewegung hat sich bei den TeilnehmerInnen im Laufe des Projektzeitraums signifikant erhöht.
Gemeinsam geht´s leichter
Ein wichtiger Motivationsfaktor während des Projektes war laut TeilnehmerInnen die Gruppe selbst, da alle das gleiche Ziel verfolgten und es die Möglichkeit gab, sich offen über Erfolge aber auch Rückschläge aus zu tauschen. Für einige TeilnehmerInnen war es wichtig, dass auch ihre LebenspartnerInnen an den Gruppentreffen teilnehmen, wodurch die Veränderung der Lebens-gewohnheiten und das Beibehalten dieser zu Hause wesentlich vereinfacht wurden.
Die Gruppe in Marhof setzte sich das gemeinsame Ziel, den Körperfettanteil der Gruppe um 2% zu reduzieren, was zu einer zusätzlichen Motivation der TeilnehmerInnen führte. Erste Erfolge wurden bereits beim Stainzer Schilcherlauf gefeiert.
Die motivierten TeilnehmerInnen zeigten, dass ein integriertes Ernährungs- und Bewegungsangebot zusammen mit unterstützenden Präventionscoaches, die die Gruppen leiten, wesentliche Erfolgsfaktoren in diesem Projekt darstellten.
Teilnehmende Gemeinden
Bad Gams, Deutschlandsberg, Eibiswald, Frauental an der Laßnitz, Groß St. Florian, Hollenegg, Marhof, St. Peter im Sulmtal, St. Stefan ob Stainz, Stainz, Stallhof, Sulmeck-Greith und Wies.
Finanzierung
Gesundheitsplattform Steiermark, Fonds Gesundes Österreich und die EU.
Kooperationspartner: Therapie Aktiv
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